Wie ich meine koreanische Skincare-Routine ans Schweizer Klima angepasst habe
Eine Routine, die einfach nicht funktionierte
Ich hatte einen Fehler gemacht, den viele K-Beauty-Fans in der Schweiz machen: Ich behandelte meine Haut das ganze Jahr über gleich, ohne zu bedenken, dass Seoul und Luzern zwei sehr unterschiedliche Klimazonen sind. Koreanische Skincare ist brillant durchdacht – aber sie wurde für ein Klima entwickelt, das oft feuchter ist als unseres, mit milderen Übergängen zwischen den Jahreszeiten. Die trockene Winterluft der Schweizer Alpen und die brütende Sommerhitze in den Städten stellen ganz eigene Anforderungen.
Was ich gelernt und verändert habe
Winter: Feuchtigkeit ist keine Option, sondern Pflicht
Der erste Schritt war, ehrlich mit mir selbst zu sein: Meine leichte, gel-artige Feuchtigkeitscreme, die im Juli perfekt war, reichte im Januar einfach nicht aus. Die trockene Heizungsluft in Schweizer Wohnungen kombiniert mit kaltem Wind draussen entzieht der Haut enorm viel Feuchtigkeit.
Ich begann, meine Routine in Schichten aufzubauen – ein Prinzip, das im Koreanischen als layering bekannt ist, das ich aber im Winter viel bewusster einsetzte:
Essenz statt Toner: Eine feuchtigkeitsspendende Essenz mit Hyaluronsäure als erste Schicht, um die Haut auf das Folgende vorzubereiten.
Reichhaltigere Cremes: Ich wechselte von einem leichten Gel zu einer Creme mit Ceramiden und Squalan – Inhaltsstoffe, die die Hautbarriere stärken, statt sie nur oberflächlich zu befeuchten.
Schlafmasken als Rettungsanker: Zwei- bis dreimal pro Woche eine Sleeping Mask über Nacht, um der Haut Zeit zur Regeneration zu geben, während draussen der Schnee fiel.
Weniger Peeling, mehr Pflege: Ich reduzierte chemische Exfoliation von dreimal auf einmal pro Woche, denn eine bereits gereizte Winterhaut braucht keine zusätzliche Reizung.
Die Veränderung war spürbar: Innerhalb von zwei Wochen verschwanden die roten Flecken, und das Spannungsgefühl liess nach.
Sommer: Leichtigkeit und Sonnenschutz im Fokus
Als die Temperaturen wieder stiegen, musste ich erneut umdenken. Was im Winter Rettung war, wurde im Sommer schnell zur Last – schwere Cremes führten zu verstopften Poren und einem fettigen Glanz, der so gar nicht nach der begehrten Glass Skin aussah.
Für die warme Jahreszeit stellte ich um auf:
Wässrige Texturen: Leichte, gel-basierte Feuchtigkeitscremes und Essenzen, die schnell einziehen.
Doppelte Reinigung, doppelt wichtig: Im Sommer schwitzt man mehr, trägt mehr Sonnencreme auf – das Double Cleansing am Abend wurde nicht verhandelbar, um Poren wirklich sauber zu bekommen.
Koreanischer Sonnenschutz als Non-negotiable: Die Schweizer Höhenlage bedeutet eine stärkere UV-Belastung, gerade in den Bergen. Koreanische Sonnencremes mit ihren leichten, nicht-fettenden Formeln wurden zu meinem täglichen Begleiter – auch an bewölkten Tagen.
Antioxidantien statt schwerer Öle: Vitamin-C-Seren fanden ihren Platz in der Morgenroutine, um die Haut vor Umweltstress und stärkerer Sonneneinstrahlung zu schützen.
Eine Routine, die sich anpasst wie die Jahreszeiten selbst
Heute, wenn ich vor dem Spiegel stehe, denke ich nicht mehr in einer einzigen, starren Routine. Ich denke in Jahreszeiten. Meine Haut hat mir beigebracht, dass die Weisheit der koreanischen Skincare nicht in den immer gleichen Schritten liegt, sondern in der Aufmerksamkeit, die man ihr schenkt – im genauen Hinschauen und Reagieren auf das, was sie gerade braucht.
Das ist vielleicht die wichtigste Lektion, die K-Beauty uns lehrt, ganz unabhängig vom Breitengrad: Skincare ist kein Fixpunkt, sondern ein Dialog. Und dieser Dialog verändert sich, ob wir nun im schneebedeckten Luzern oder im sonnigen Seoul leben.
Wer also das nächste Mal vor der eigenen Kosmetikschublade steht und sich fragt, warum die Lieblingscreme plötzlich nicht mehr wirkt: Vielleicht liegt die Antwort nicht im Produkt – sondern im Kalender.